Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt

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Inhalt: Das Entstehen der Wasserstraßenverwaltung

Das Entstehen der Wasserstraßenverwaltung, im Besonderen an der bayerischen Strecke des Mains

Bericht über die Amtsgründung in Schweinfurt "Schweinfurt erhält ein Wasserstraßenamt" Allgemeines
Die Wasserstraßen standen wegen ihrer überregionalen Bedeutung für Staat und Wirtschaft schon in früherer Zeit unter staatlicher Hoheit.
Die Leistungen für die Schiffbarkeit beschränkten sich zumeist auf die Unterhaltung der Leinpfade (heutige Betriebswege) und das Wegräumen einzelner Schifffahrtshindernisse.
Häufig wurden diese Arbeiten - gegen entsprechende Privilegien - interessierten Gruppen, z.B. Schiffergilden, übertragen. Zum Aufbau von Organisationen durch die "Obrigkeit" kam es daher nur dann, wenn besondere Missstände dies erzwangen und das auch nur in größeren Staatswesen, die über längere Flussstrecken verfügten und die erforderliche finanzielle Leistungsfähigkeit besaßen. Diese Voraussetzungen waren in stärkerem Maße erst nach dem Wiener Kongress 1815 gegeben.

Verwaltungseinheiten bis 1921
In Bayern reichen die Anfänge einer allgemeinen Staatsbauverwaltung bereits auf den Kurfürsten Maximilian III Josef zurück, in dessen Regierungszeit 1751 im Rahmen der Hofkammer eine Generalstraßenbaudirektion entstand, die 1767 zur Generalbaudirektion für Straßen- und Wasserbauten umgestaltet wurde.

In der Regierungszeit Karl-Theodors, der 1790 den Obersten und Hofkammerrat Adrian von Riedl zum General-Straßen- und Wasserbaudirektor berief, wurde schließlich das Zentralbüro für den Straßen- und Wasserbau errichtet und dem Finanzdepartement unterstellt (ab 1809 Generaldirektion für Wasser-, Brücken- und Straßenbau). In München wurde eine Wasserbaudirektion eingerichtet, dazu mehrere Wasser- und Straßenbauinspektionen. Damit begann in Bayern der planmäßige Wasserbau.

Schließlich wurde 1825 das gesamte staatliche Bauwesen in einer Ministerialsektion für das Bauwesen beim Staatsministerium des Innern zusammengefasst, 1830 benannt in "Oberste Baubehörde".
In diesem Zusammenhang führten neue Aufgaben im Jahre 1878 zur Errichtung eines Wasserversorgungsbüros und 1898 eines hydrotechnischen Büros, beide jetzt zusammengefasst im Bayerischen Landesamt für Wasserwirtschaft.

Der weitere Ausbau der Wasserstraßen in Bayern - der Main unterhalb Aschaffenburg bleibt hier unbetrachtet - wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Verkehrsangelegenheiten in die Wege geleitet, das für diesen Zweck im Jahre 1917 ein zentrales Kanalbauamt in München für das Königreich Bayern und als Ortsbehörden neun Kanalinspektionen, u. a. in Aschaffenburg, Kreuzwertheim, Würzburg, Kitzingen und Regensburg errichtete.

Im Übrigen oblag der Bauunterhalt der schiffbaren Flüsse und Ströme in Bayern seit 1805 den jeweiligen Straßenbaubehörden, ab 1872 den Straßen und Flussbauämtern.
Die Aufsicht stand zunächst der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern zu, ab 1848 dem Staatsministerium für Handel und öffentliche Arbeiten und dann ab 1904 dem Staatsministerium für Verkehr.

Der Übergang der Wasserstraßen auf das Reich und die Gründung der Rhein-Main-Donau AG.
Nach dem ersten Weltkrieg wurde erkannt, dass für den Schiffsverkehr sowie für den Ausbau der Flüsse und Kanäle überregionale Grundsätze anzuwenden sind.

So kam es dazu, dass aufgrund Art. 97 und 101 die Weimarer Reichsverfassung vom 11.08.1919 dem Reich die Aufgabe übertrug, bis zum 01.04.1921 die dem allgemeinen Verkehr dienenden Wasserstraßen in sein Eigentum und seine Unterhaltung zu übernehmen.

Am 29.07.1921 kam daraufhin der Staatsvertrag betreffend den Übergang der Wasserstraßen von den Ländern auf das Reich zustande, der Gesetzescharakter erhielt. Er führte die mittelbare Reichsverwaltung ein. Mit dem Stichtag gingen die Befugnisse der Länderzentralbehörden auf das Reich über, doch sollte die Verwaltung der Reichswasserstraßen den Ländern auf Kosten des Reiches verbleiben. So waren nur die Beamten im Reichsverkehrsministerium Reichsbeamte, in den mittleren und unteren Instanzen verblieb es bei Landesbeamten.
Unter diese Regelung fiel auch der Main von der Eisenbahnbrücke bei Hallstadt (nördlich von Bamberg) bis zur Mündung. Das Reich verpflichtete sich in dem am 13. Juni 1921 mit Bayern geschlossenen Main Donau Vertrag zum Bau der Main Donau Wasserstraße.

Bedingt durch die Finanznot des Reiches kam dazu ein neuer Typ der Bauträgerschaft auf: die formell auf privatgesellschaftlicher Basis beruhende so genannte Wasserbaugesellschaft. Dies führte am 30.12.1921 zur Gründung der Rhein Main Donau AG (RMD) durch das Deutsche Reich, den Freistaat Bayern, Baden, verschiedene Städte und führende Vertreter großer Banken mit der Aufgabe, gemäß Staatsvertrag die Main-Donau- Wasserstraße vom Rhein über den Main zur Donau zu bauen.

Die Gesellschaft erhielt außerdem die bis 2050 befristete Konzession für die Ausnutzung der Wasserkräfte an den von ihr auszubauenden Flüssen, um mit den Erträgen der Wasserkraftwerke den Wasserstraßenbau finanzieren zu können. Die fertig gestellten Anlagen gehen Zug um Zug in das Eigentum und in Betrieb und Unterhaltung des Reiches (heute des Bundes) über.

Die Verwaltung bis 1945
Im Zuge dieser Entwicklung wurden die 1917 geschaffenen Kanalinspektionen Aschaffenburg, Würzburg und Regensburg durch Verordnung vom 18.12.1922 in "Neubauämter für den Ausbau der Wasserstraße Rhein-Main-Donau" umgewandelt und der Rhein-Main-Donau AG für den Ausbau der Wasserstraße (Entwurfsbearbeitung, Bauleitung) zur Verfügung gestellt.

Diese Tendenz verstärkte sich noch durch das Rhein-Main-Donau-Gesetz vom 11.05.1938, das die Fertigstellung der Rhein-Main-Donau-Verbindung bis zum Jahre 1945 zum Ziele hatte.

Aufgrund der Verordnung vom 25.03.1938 wurden die bestehenden drei Neubauämter (s. o.) mit Wirkung vom 16.03.1938 in "Wasserstraßenämter" umbenannt. Zum gleichen Zeitpunkt wurden zur beschleunigten Fortführung der Entwurfs- und Bauarbeiten an der Wasserstraße Rhein Main Donau drei neue Wasserstraßenämter in Schweinfurt, Bamberg und Nürnberg errichtet, sodass zu diesem Zeitpunkt der Rhein-Main-Donau AG sechs Wasserstraßenämter unterstellt waren.

Diese Amtsgründung in Schweinfurt war somit die Geburtsstunde für das heutige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt.

Die neuen Wasserstraßenämter waren Landesbehörden und den übrigen Ämtern der Bayerischen Staatsbauverwaltung gleichgestellt; die Beamten hatten den Status von mittelbaren Reichsbeamten.

Oberste Dienstbehörde war das Staatsministerium des Inneren.
Die Wasserstraßenämter hatten eine doppelte Aufgabe: Sie verwalteten einmal als untere Landesbehörde die Bundeswasserstraßen auf Kosten des Reiches. In dieser Eigenschaft wurden ihnen nun auch die Zuständigkeiten für Verwaltung, Bau, Betrieb und Unterhaltung sowie die Aufgaben der Schiffseichämter von den Straßen- und Flussbauämtern übergeben.
Zum anderen waren sie der Rhein-Main-Donau AG für den Neubau der Großschifffahrtsstraße Rhein-Main-Donau zur Verfügung gestellt.

Wasserstraßenämter:
Die durch die Wasserstraßenämter zu bearbeitenden Strecken wurden wie folgt verteilt: Zuständigkeitsgrenzen der ehemaligen Wasserstraßenämter der Rhein-Main-Donau AG 1938 (Aschaffenburg, Würzburg, Schweinfurt, Bamberg, Nürnberg, Regensburg)

Aschaffenburg: die Strecke Aschaffenburg - Lengfurt
Würzburg: die Strecke Lengfurt - Würzburg - Volkach,
Schweinfurt: die Strecke Volkach - Schweinfurt - Haßfurt,
Bamberg: die Strecke Haßfurt - Bamberg - Forchheim
Nürnberg: die Strecke Forchheim - Nürnberg - Scheitelhaltung,
Regensburg: die Strecke Scheitelhaltung - Regensburg - Passau (Landesgrenze)

Damit bestand in Bayern eine einheitliche mittelbare Reichsverwaltung für die Reichswasserstraßen. Zentralinstanz war der Reichsverkehrsminister, vom 01.10.1941 bis 1945 der Generalinspektor für Wasser und Energie.

Zur Koordinierung des Ausbaus der Main-Donau-Verbindung wurde am 01.04.1941 die Wasserstraßenbaudirektion Nürnberg als Mittelbehörde der Reichswasserstraßenverwaltung errichtet, die wenig später auf Grund einer Verordnung vom 31.05.1943 mit Erweiterung der Kompetenz für Verwaltung, Unterhaltung und Betrieb als "echte" Wasserstraßendirektion dem Bayerischen Staatsministerium des Innern angegliedert wurde und als Vorläufer der heutigen Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt - Außenstelle Süd in Würzburg angesehen werden kann. Dies hatte allerdings zunächst nur bis 1945 Bestand.

Es bleibt aber festzustellen, dass der Aufbau der Wasserstraßenverwaltung in Bayern noch während des Zweiten Weltkrieges praktisch abgeschlossen wurde.

Die Entwicklung nach 1945 bis zum Beginn der Reform der WSV 1994
Mit Kriegsende 1945 schien zunächst auch das Ende der Wasserstraßenverwaltung gekommen zu sein. Da aber die Schifffahrt für die Lösung der Versorgungsprobleme der Bevölkerung dringend gebraucht wurde, waren die Besatzungsmächte bald darauf bedacht, den Verkehr auf den Wasserstraßen wieder in Gang zu bringen.

Durch Erlass des Verwaltungsrates für Verkehr im amerikanischen und britischen Besatzungsgebiet kam es mit Wirkung vom 01.04.1947 am Main zur Errichtung der Wasserstraßendirektion Würzburg mit den Wasserstraßenämtern Frankfurt, Aschaffenburg, Würzburg, Schweinfurt und Nürnberg, während für die Donau eine besondere Wasserstraßendirektion in Regensburg mit den Wasserstraßenämtern Regensburg und Passau gebildet wurde.

Unter der Obhut der Besatzungsmächte wurde eine Verwaltung des Vereinigten Wirtschaftsgebietes in Deutschland mit Sitz der Hauptverwaltung der Binnenschifffahrt in Windelsbleiche bei Bielefeld (damalige Zentralinstanz der Wasserstraßenverwaltung) gebildet. Damit wurde der Grundstock zu der heutigen durch das Grundgesetz legalisierten Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung gelegt. Die Wasserstraßendirektion beim Staatsministerium des Innern wurde nicht wieder errichtet.

Mit In-Kraft-Treten des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland am 23.05.1949 führte der Bund für seine Wasserstraßenverwaltung eigene Behörden ein. Die ehemaligen Reichswasserstraßen wurden zu Bundeswasserstraßen erklärt und nach Artikel 89 Grundgesetz einer bundeseigenen Verwaltung unterstellt.

Die Verwaltung für Verkehr ging mit der Bildung der Regierung der Bundesrepublik Deutschland am 20.09.1949 auf das Bundesverkehrsministerium über. Insgesamt wurden 12 Mittelbehörden gebildet, davon in Bayern die "Wasser und Schifffahrtsdirektionen" (WSD) Würzburg und Regensburg (ab 01.11.1949 Nachfolgebezeichnung für die "Wasserstraßendirektionen"). Die Unterinstanzen erhielten die Bezeichnung "Wasser- und Schifffahrtsämter" (WSA) (Nachfolgebezeichnung für die "Wasserstraßenämter"), mit Sitz in Frankfurt, Aschaffenburg, Würzburg, Schweinfurt, Nürnberg und Regensburg.

Das Wasserstraßenamt Bamberg wurde kurz nach dem Kriege (30.09.1945) aufgelöst. Das Personal ging schon vorher an die Wasserstraßen Neubaudirektion Nürnberg über, die Dienststelle wurde in eine Strommeisterstelle des Amtes Schweinfurt umgewandelt.

Die Neuordnung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes brachte ab 1976 weiter einen erheblichen Einschnitt in die Behördenstruktur. Die Anzahl der Direktionen wurde von 12 auf 6 und die Zahl der dazugehörigen Ämter von 58 auf 33 reduziert.

Im hiesigen Raum wurde mit Wirkung vom 01.01.1976 die WSD Regensburg aufgelöst und mit der WSD Würzburg zur WSD Süd in Würzburg zusammengefasst.

Aufgrund der Neuordnung der Unterinstanzen entstanden ab 01.02.1978 aus dem WSA Frankfurt und Aschaffenburg das WSA Aschaffenburg, aus dem WSA Würzburg und Schweinfurt das WSA Schweinfurt, jeweils mit neuen Zuständigkeitsgrenzen.

Dienststellen mit besonderen Aufgaben sind derzeit im Bereich der ehemaligen WSD Süd, heute Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt - Standort Würzburg (GDWS - Standort Würzburg) in Würzburg für den Main

Anfang 1990 kamen mit der Wiedervereinigung mit der WSD Ost in Magdeburg sechs weitere Ämter zur WSV hinzu.