Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt

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Inhalt: Das Amtsgebäude in Schweinfurt

Vorläufer-Behörde des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Schweinfurt war das königliche Straßen- und Flussbauamt Schweinfurt, das seit seiner Gründung am 01.04.1872 in Schweinfurt, Schultestraße 24 (damals Oberndorfer Straße 24) und ab 01.10.1897 bis 1945 in der Rüfferstraße 11 untergebracht war.

Das Altgebäude
Aus einer Chronik des städtischen Archivs vom 07.09.1954:

Ansicht aus dem zweiten Drittel des 19.Jahrhunderts. Die Abbildung zeigt gegenüber dem Marienbach die Fabrik der Familie Graf

"Wenn man nach Mainberg zu unsere Stadt verlässt, so trifft man gleich hinter der Brücke über den Marienbach auf eine Stätte, die zum kulturellen Leben von Schweinfurt mancherlei Beziehungen hat. Heute ist dies aus dem Schild am Einfahrtstor "Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt" nicht ohne weiteres zu entnehmen. Aber dieses Grundstück hat seine Geschichte.

Ehemals war hier vor dem Mühltor ein schöner großer Garten gelegen, der an Bauten nur zwei anmutige Sommerhäuschen zeigte. Das eine, dem Marienbach zunächst gelegene, wird im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Der stuckverzierte Raum hatte als besonderen Schmuck das bekannte Deckengemälde von Geiger "Tanz der 12 Monate um Chronos", ein Bild, das nun schon lange die Diele im Schweinfurter Rathaus ziert. Bis zum Krieg waren beide Häuschen leidlich erhalten, dann wurde das eine ganz, beim andern nur das Dach von Bomben zerstört. Seitdem muss es sich mit einem notdürftigen Deckel begnügen.

Dies Grundstück gehörte einst dem angesehenen Landgerichtsarzt Dr. Friedrich Graf, dem Glied einer Familie, die schon ganze Geschlechterreihen hindurch dem Beruf des Arztes und der Heilkunde verschrieben war. Er errichtete 1855 für seine Söhne in diesem idyllischen Garten eine Stärke- und Nudelfabrik.
Die Lebens- und Genussmittelbranche war zu dieser Zeit eine der wichtigsten Industriezweige, wie die damalige Häufung von Tabak-, Essig- oder Zuckerfabriken beweist.
Zu Anfang schien dieses Beginnen recht aussichtsreich: die Stärkefabrik war gut beschäftigt und wurde vergrößert, indem die im rückwärtigen (östlichen) Teil gelegene Nudelfabrik einbezogen und überbaut wurde. Damals entstanden als Abschluss unter dem Dach offene Trockenräume, die dem Bau lange Zeit seine Besonderheit gaben.

Der geräumige Garten mit dem hübschen Gartenhaus war Tummelplatz der Jugend und sah viele schöne Familienfeste. Von den Vorvätern her, die zwei volle Jahrhunderte lang alle Ärzte gewesen waren, steckte auch den Söhnen die Liebe und Veranlagung zu den Naturwissenschaften im Blute: Gustav Graf legte sich eine große Rosenzucht an, die allgemeine Bewunderung erregte, wurde Mitbegründer und Vorstand des Naturwissenschaftlichen Vereins in Schweinfurt und hat diesen sehr gefördert. Ähnliche Neigungen hatte auch der Sohn des Bruders Julius, Gottfried Graf. Unter diesen Umständen war es verständlich, dass die Stärkefabrik in den Hintergrund trat und schließlich 1890 verkauft wurde.

Betriebslogo der Stärke- Maccaroni- und Nudelfabrik der Gebrüder Graf

Ein Freund des Hauses, Kaufmann Wilhelm Schuler, erwarb sie, nun unter dem Namen Nudel- & Rollgerstefabrik Schuler. Dieser und seine zwei Brüder sind bald als Sammler von Naturalien bekannt geworden. Besonders gilt dies von einer großen, mit seltenen Stücken ausgestatteten Vogelsammlung, für die der jüngste Bruder Ludwig in den Jahren 1886 bis 1888 auf den Inseln Madagaskar und Reunion viele Stücke selbst erlegt hatte. Die Bälge wanderten nun in den Trockenboden der Stärkefabrik und wurden größtenteils hier in Gemeinschaftsarbeit der Herren Wilhelm und Fritz Schuler mit ihrem Freunde Gottfried Graf präpariert und ausgestopft. Auch eine umfangreiche Sammlung von Eiern, Fischen und Mineralien entstand. All dieses vermachten die drei Brüder in hochherziger Weise im Jahre 1892 als Geschenk der Stadt Schweinfurt, und heute noch findet die Sammlung, die im alten Gymnasium untergebracht ist, die Beachtung in- und ausländischer Fachleute.

1898 gab Schuler, der inzwischen als Verwaltungsdirektor zu Richard Wagner nach Bayreuth gerufen worden war, die Fabrik ganz auf und verkaufte sie mit dem Anwesen im gleichen Jahre an Herrn Ludwig Grobe in Schonungen, der daraus ein Lagerhaus für Getreide und Mehl machen wollte. Als aber in Schonungen selbst Lagerhäuser errichtet wurden, unterblieb die Ausführung. So lag das Gebäude lange Zeit ungenützt oder war gelegentlich zu verschiedenen vorübergehenden Zwecken verpachtet. Die Erben des Ludwig Grobe verkauften schließlich das Anwesen weiter.

Am 01. Januar 1938 ging es durch Vermittlung der Stadt Schweinfurt an die Rhein-Main-Donau AG. Diese baute es als Verwaltungsgebäude aus und überließ es 1939 der Wasserstraßenverwaltung.

Während des Krieges, wohl 1941, wurde diese vom Reich übernommen. Bald machten die heftigen Bombenangriffe auf Schweinfurt besondere Maßnahmen zur Behebung der Zerstörungen nötig: Im Jahre 1944 wurde ein Generalkommissar für den Wiederaufbau der Rüstungsanlagen für die Kugellagerschnellaktion eingesetzt und mit seiner Dienststelle in dieses Gebäude eingewiesen. Auch Behörden wurden obdachlos. Das "Kulturbauamt", das mitsamt dem Landratsamt an der Theresien-Ecke Wilhelmstraße ausgebombt worden war, suchte und fand Zuflucht in der ehemaligen Stärkefabrik.

Kurz vor Einmarsch der Amerikaner 1945 wurde das Gebäude von Bomben getroffen und dabei der Ostteil zerstört, der Rest erheblich beschädigt.
Fast drei Jahre hat es dann gedauert, bis man 1948 an den Wiederaufbau gehen konnte. Hierbei verschwanden nun die letzten Merkmale der ehemaligen Fabrik. Auch die schweren Maschinenfundamente aus Beton, die im Keller lange Zeit ein verborgenes Dasein geführt hatten und nun unter der Spitzhacke nicht weichen wollten, wurden gesprengt.
So ist ein Amtsgebäude entstanden, das allen Anforderungen unserer Zeit Rechnung trägt. Es bietet jetzt dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt und der seinerzeit von ihm betreuten Abteilung der Rhein-Main-Donau AG ein geräumiges Unterkommen.
Im Grün der Anlagen und Gärten bildet es mit dem alten freundlichen Wohnhaus eine Gebäudegruppe, die dem Stadtbild hier eine erfreuliche Note gibt. Vielleicht wird es auch einmal der Wasserstraßenverwaltung möglich, das Gartenhäuschen wieder instand setzen zu lassen, da es so viele alte Erinnerungen trägt und heute mit seinem Notdach nicht recht zu seiner Umgebung passt."

Soweit die Chronik.

Inzwischen musste das Gartenhäuschen 1979 dem Straßenneubau weichen.

Der Erweiterungsbau
Die Neuordnung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung 1978 erbrachte auch für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt durch die Zusammenlegung der Alt-Ämter Würzburg und Schweinfurt einen vergrößerten Zuständigkeitsbereich und damit auch die Vergrößerung der Anzahl der Beschäftigten.
Die Folge war, dass der alte Amtsbau in Schweinfurt nicht mehr ausreichte, sondern durch einen Erweiterungsbau ergänzt werden musste.

Zeichnung des Erweiterungsbaus des WSA Schweinfurt

Aufgrund des Bauantrages des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Schweinfurt vom 18.10.1978 wurde nach verschiedenen Änderungen und Verhandlungen schließlich der Planungsauftrag für den Erweiterungsbau von der Oberfinanzdirektion Nürnberg am 30.05.1985 an das Finanzbauamt Würzburg erteilt.
Vorausgegangen war ein langwieriger Abstimmungsprozess zwischen dem Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau der Oberfinanzdirektion Nürnberg und der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd in Würzburg.

Der Neubau beendete die seit 1979 bestehende provisorische Unterbringung des Sachbereiches 2 des Amtes (Bau und Unterhaltung) im Stadtbahnhof. Nicht zuletzt war aber erst auch durch den 1990 erfolgten Abriss des alten Wohn-/Dienstgebäudes an der alten Straßenfront der Weg frei für eine städtebaulich ansprechende Außenanlage mit Begrünung und Kunstwerk.

Ziel war die Erreichung einer guten städtebaulichen Einfügung in die Umgebung bei optimaler Nutzung des Geländes und Erfüllung des Raumprogramms.
Um gegenüber dem dominierenden Hauptgebäude den Erweiterungsbau nicht unscheinbar erscheinen zu lassen, war es notwendig, den Neubau mit mindestens drei Geschossen und Steildach auszubilden.
Durch die Winkelform werden auch die Giebelstreifen von der Ansicht her verbreitert, was aufgrund der geringen Raumtiefen bei einem Rechteckbau zu ungünstigen Proportionen geführt hätte. Dies wurde bei Vorstudien bereits festgestellt.

Um die Hauptzugangsrichtung von der Stadt her in den Grundzügen beizubehalten, wurde von der Straße her ein schräger Zugang zum Haupteingang im Verbindungsbau geschaffen.
Zur Erleichterung der Orientierung (der alte Eingang wurde erhalten) ist das Vordach des Verbindungsbaus im Untergeschoss bis vor den Altbau verlängert worden. Der Zugang ist durch Pflasterung und entsprechende Bepflanzung für eine gute Auffindbarkeit besonders betont worden. Ein weiteres Signal im Bereich des Eingangs wurde durch ein Kunstobjekt (ein stilisierter Schiffsbug) gesetzt.
Die Erschließung des Gebäudes von der Parkplatzseite her erfolgt ebenfalls über das Untergeschoss des Verbindungsbaus.
Um die übergroßen Geschosshöhen von 3,67 m des Altbaus auszugleichen und trotzdem noch behindertengerecht anbinden zu können, wurde die Geschosshöhe im Erdgeschoss auf 3,29 m erhöht und die restliche Differenz durch Rampen im Verbindungsbau überbrückt.
Insgesamt beträgt die Hauptnutzungsfläche 436 m2 bei 2.499 m3 umbautem Raum.
Die Gesamtkosten lagen bei rund 2,2 Mio. DM.
Baubeginn war der 29.08.1988, das Gebäude wurde im Februar 1991 bezogen.
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch der Altbau parallel und anschließend vollständig modernisiert wurde.